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2. Dezember 2025

Sasha Kouras Werkschau im Alten Dampfbad als Künstlerin in Baden-Baden 2025

Sasha Koura ist Mitglied im SCL Heel Baden-Baden. Sie trainiert mittwochs in der Gesundheitssport-Gruppe. Sie ist aber auch und vor allem Künstlerin und hat in diesem Jahr den Preis „Künstlerin in Baden-Baden 2025“ gewonnen. Ihre Ausstellung im Alten Dampfbad am Marktplatz ist spannend, aber nicht einfach zu verstehen. Hier gibt es einen ersten Zugang:

Von Bernd Hefter

Im Anblick vergilbten Papieres mag sich der Betrachter fragen, was bitte hat das mit Kunst zu tun? Sasha Kouras Installationen im Alten Dampfbad erschließen sich nicht beim flüchtigen Vorbeigehen. Sie fordern Zeit und innere Auseinandersetzung. Dann erst öffnet sich der künstlerische Kosmos. Denn Sasha Koura erzählt magische Geschichten und die machen sie zur „Künstlerin in Baden-Baden 2025“.

Dieser Kunstpreis der Stadt und der Gesellschaft der Freunde junger Kunst wird seit 1982 vergeben. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler mit engem Bezug zu Baden-Baden. Sasha Koura hat 2010 hier ihre neue Heimat gefunden. Hier sammelt sie, kombiniert, gestaltet, verwirft, vermischt und verdeckt. So etwa lässt sich das Prinzip ihrer Arbeiten umschreiben.

Ist es also Sammelleidenschaft oder die Suche nach künstlerischen Kontrapunkten: Wertschätzung und Achtlosigkeit, Leben und Tod, Nachhaltigkeit oder Vergänglichkeit. Die Paarungen in ihrem Werk ließen sich beliebig fortsetzen. Was abstrakt klingt, wird im Gespräch mit Sasha Koura zu einer magischen Geschichte, wie diese:

Es ist kalt, die Sasha Koura schlendert über den Flohmarkt. Es ist der Marché aux Puces in Paris. Dort entdeckt sie ein Büchlein „D´Histoire de France“, die französische Geschichte. Das Buch eingewickelt in blaugraues Papier. Buch und Umschlag sind stark abgegriffen. Beim Blättern entdeckt sie Kinderzeichnungen, eingeklebte Briefmarken.

Dieses Büchlein passt in ihre Sammlung „History Lessons“ – Geschichtsstunde. „Vielleicht hat ein Kind dieses Buch besessen, es sorgsam eingewickelt. Der Verkäufer wollte einen Euro, für ihn hatte das Buch keinen großen Wert. Aber hinter dem Buch steht eine Geschichte, die wir nicht kennen“, sagt Sasha Koura. Neun Fotos hat sie von dem Buch mit Umschlag als Kollage auf Papier gebracht. Jedes der Bilder verrät etwas von den Geheimnissen, die sich der Betrachter selbst zusammen reimen darf.

„Von Schwelle zu Schwelle“ benennt die Künstlerin ihre Werkschau, in Anlehnung an einen Gedichtband des rumänisch-jüdischen Lyrikers Paul Celan. Die Parallelen? „Celan hat Worte erfunden, die Gefühle repräsentieren, ohne sie wörtlich zu benennen“, sagt Sasha Koura. So zeigen ihre Arbeiten sinnliche Räume, die erforscht werden wollen. Vier Sammlungen werden in fünf Räumen präsentiert: Andenken, History Lessons, das Fremde-Heimat-Museum und Zeugnisse.

Zeugnisse? Im Marktsaal hängen vergilbte Papiere, leere Flächen. Das was die Papiere erzählen könnten, ist zur Wandseite gerichtet. Manche Worte schimmern durch, „Abschlusszeugnis“ ist spiegelverkehrt zu lesen. Die magische Geschichte: Sasha Koura hat gesucht und im Altpapier gefunden. Es sind Zeugnisse, Fotos, Briefe und Aufzeichnungen von Verstorbenen. Die Hinterbliebenen haben geräumt, entsorgt, sich des papierenen Nachlasses entledigt. Nun aber greift das Wertesystem einer Sasha Koura. Das achtlos Entsorgte wird zum Objekt der Kunst, es wird museal, aber keinesfalls voyeuristisch. Die „Daten“ bleiben verborgen. Die leeren Rückseiten dieser gesammelten und neu archivierten Dokumente bleiben in ihrer Aussage universell. Jeder Verstorbene könnte auf der Frontseite verewigt sein.

Botschaften? Will sie eher nicht geben. Die in London geborene Künstlerin lässt Raum für Interpretation und die ureigene Ideenwelt des Betrachters. Studiert hat sie am Chelsea College of Art in London. Eine Schule, die Kunst in einem sozialen, kulturellen und politischen Zusammenhang lehrt. Anschließend wechselte Koura nach Oxford an die Ruskin School of Drawing and Fine Art. In den beiden zurückliegenden Jahren nahm ihre Karriere Fahrt auf. 2023 erhielt sie den Hanna-Nagel-Preis für zeitgenössische Künstlerinnen. 2024 erhielt sie vom Land Baden-Württemberg ein Stipendium an der Cité Internationale des Arts in Paris. Dort begegnen sich internationale Künstler zu einem globalen Kulturaustausch.

Möglicherweise entstand dort die Idee mit dem Briefmarkenalbum. Koura kaufte ein Album mit Motiven der französischen Nationalfigur „Marianne“.

Alle Briefmarken sind nun verso zu sehen, nur eine Marianne im Album zeigt ihr Gesicht. Ist es das Spiel mit dem Wert, was Koura damit bezweckt? Die Gedanken sind frei!

Die Ausstellung läuft bis 25. Januar. Am 12. Dezember bietet Renate von Heimburg um 16:30 Uhr im Alten Dampfbad ein moderiertes Bildgespräch.